Die Lessing-Tage in Hamburg gehen mit einem Theater-Spektakel zu Ende, bei dem Kontroversen programmiert sind. Milo Rau inszeniert einen „Prozess“ gegen Deutschland und die AfD. Gibt es wieder Sprechchöre gegen „Faschismus“ aus dem Publikum?
Ganz schön hart, was die Schaubühne den zartbesaiteten Berlinern mit ihrer „Salome“ zumutet. Der Gutmensch will mit solchen Weibern nichts zu tun haben? Er wird geköpft. Und die Moral? Hat immer einen Haken.
Dreieinviertel Stunden lang beschwören Albert Ostermaier und Ersan Mondtag am Residenztheater vergeblich die Schwabylon-Ära. Auch Brigitte Hobmeier rettet die Münchener Klaus-Lemke-Gala nicht. Dann lieber Veitshöchheimer Frankenfasching.
Wer gibt sich als Jude aus, obwohl er keiner ist? Das Theaterstück „Fake Jews" sucht am Deutschen Theater Berlin die Spuren von Fabian Wolff und anderen Hochstaplern.
Mit René Pollesch veränderte Fabian Hinrichs vielleicht nicht die Welt, aber auf jeden Fall das Theater. Daran knüpft der „Tatort“-Star jetzt zusammen mit seiner Frau an – und zeigt großes Weltschmerztheater, eine Performance der Verzweiflung und der Ratlosigkeit.
„Himmlisch schön ist es ja, zu Fuß zu gehen“, schrieb er – und lag bei seinem letzten Spaziergang tot im Schnee. In Wien holen sie Robert Walser zurück, auf die Bühne. Wusste er, wer schuld ist an dem ganzen Elend?
Mit dem Stück „Publikumsbeschimpfung“ schrieb Peter Handke vor 60 Jahren Theatergeschichte. Die Schimpfwörter von damals triggern heute kaum noch. Aber die Neuinszenierung verrät etwas anderes über die heutige Zeit.
Jedes Jahr einigt sich eine siebenköpfige Jury auf die zehn Inszenierungen für das Berliner Theatertreffen. Die diesjährige Top-Ten überrascht durch ihren hohen Anteil populärer Stoffe – und einen älteren Regisseur, der gleich zweimal vertreten ist.
Der Schauspieler Samuel Koch sitzt seit seinem Unfall im Live-TV vor 15 Jahren im Rollstuhl. Jetzt spielt er Schillers Wallenstein – ein existenzielles Theatererlebnis. Seine Haltung zu Körperlichkeit, Abhängigkeit und Inklusion ist radikal.
Ob Superstars im Rampenlicht, die Wiederkehr der Klassiker, große Sehnsuchtsstoffe oder Debattenmaterial: Das neue Jahr bietet reichlich Gründe zur Vorfreude – jedenfalls in der Kultur.
Was kann die Kunst der Gewalt entgegensetzen? Eine Theaterreise auf den Spuren von Joseph Roth in die Ukraine, wo Kinder Drohnen bauen, Kriegsverbrecher lächelnd grüßen – und Putin nur noch als Klopapier taugt.
Von einem mit Heiner Müller angereicherten „Hamlet“ in Hamburg über die „Krieg und Frieden“-Inszenierung eines Fernseh-Kommissars außer Dienst in Magdeburg bis zum fulminanten Bühnen-Shitstorm in Berlin: Die Höhepunkte des Theater-Jahres stehen jetzt fest.
Als Zuschauer hat man mit Simon Stones „Ferienhaus“ keinen schlechten Abend am Wiener Burgtheater. Doch etwas angestaubt wirkt die Adaption des schon 2017 in Amsterdam gezeigten „Ibsen Huis“. Schon, weil die Vorlage des norwegischen Dichters mehr zu bieten hat als Stones Überschreibung.
Ressort:KulturDrogen-Komödie „Die Ritter des Mutterkorns“
1943 kommt es auf der Schweizer Seite des Rheins zum ersten LSD-Trip der Drogengeschichte. Am Theater Basel machen Rocko Schamoni und Jörg Pohl daraus eine Komödie, die ganz nebenbei eine vom Aussterben bedrohte Humorgattung rettet.
In Serbien sind die Studenten in Aufruhr. Und nicht nur sie. Die Regierung schlägt hart zurück. Das bekam sogar das international berühmteste Theaterfestival des Landes zu spüren. Doch die Künstler wehren sich. Reportage aus einem brodelnden Land.
Nazispuk und Nachtclubzauber: Opernregisseur Claus Guth inszeniert das Musical „Cabaret“ – ausgerechnet in München, wo teils auch die legendäre Verfilmung stattfand. Es wird ein Abend zwischen Angst und Verheißung.
Darf man über eine verbeamtete Antisemitismusbeauftragte lachen? Und über die Frage: „Was für einen Juden hätten Sie denn gerne?“ In Berlin weicht das Theater solchen Fragen aus – in München zeigt es wieder, was es kann und warum immer man noch hingeht.
Seit 800 Jahren wird im Abendland die Weihnachtsgeschichte nach Franz von Assisi nachgespielt. An Berlins Krawalltheater, der Volksbühne, wird die Tradition zu einer urkommunistischen Erfahrung. Brecht und Eisler sind als „Hyperchristen“ dabei – und ein Esel für die frohe Botschaft.
2021 klagten 1500 Theaterleute den Dramaturgen Bernd Stegemann des Rassismus an. Unterschrieben hat den offenen Brief auch die Regisseurin Angela Richter. Im Gespräch mit Stegemann erklärt sie, warum sie die Aktion heute bereut – und was „Woke“ angerichtet hat.
Als Goethe den „Zerbrochnen Krug“ von Kleist inszenierte, ging die Premiere in die Hose. In München, wo das Stück noch zu den Abiturstoffen gehört, erfährt die Gen Z, was ihnen in Kriegszeiten bevorsteht – auch den Frauen.
Ist Nostalgie nur der Ekel vor dem Neuen? In Leipzig zeigt „Der Girschkarten“ von Lukas Rietzschel, wie die Mittelschicht sich selbst abschafft und was einer Gesellschaft widerfährt, die ihr Unkraut achtlos wuchern lässt.
Nichts ist langweiliger als das Gute – und „Richard III.“ deshalb nicht totzukriegen. Bei seiner Rückkehr an die Wiener Burg zeigt Nicolas Ofczarek, warum Shakespeares Oberbösewicht lange nicht mehr so wichtig war wie heute.
Eine Schauspielerin, die vom Weltekel geschüttelt nicht mehr auf die Bühne geht. Ist das ein Spiegel des Gegenwartstheaters? Mit seinem neuen Stück „Hannah Zabrisky tritt nicht auf“ verhandelt Falk Richter die Ratlosigkeit seiner Zunft – und macht auch die Zuschauer ratlos.
Die düsteren Zeiten können glamouröse Unterhaltung gut gebrauchen. In der Hauptstadt sind Shows auch ein Wirtschaftsfaktor. Jetzt macht dort der Cirque du Soleil eingesessenen Bühnen Konkurrenz. Ist die erste europäische Produktion der Kanadier ihr Geld wert?
Artikeltyp:MeinungAdania Shibli am Maxim-Gorki-Theater
Das Maxim-Gorki-Theater in Berlin hat ein Stück über die Vergewaltigung und den Mord eines Beduinenmädchens durch israelische Soldaten vom Spielplan genommen. Die Begründung des Theaters überrascht.
Der Balkan lebt zwischen der Aufarbeitung von Massakern und einer Vielvölkerutopie. Das zeigt die Theaterszene im Kosovo und in Nordmazedonien – sie ist politisch so aufgewühlt wie die ganze Region. Aber es gibt unerwartet verbindende Elemente.
Mühelos wechselt Bibiana Beglau vom Burgtheater ins Aufnahmestudio, von der Verzweiflung Célines zu Kinderbuchabenteuern um ein aufsässiges Langohr. Ein Porträt der vielleicht wandlungsfähigsten Schauspielerin des Landes.
Das Wiener Burgtheater ist weit entfernt von alter Größe. Ein Flop folgt auf den nächsten. Das liegt auch daran, dass eine neue Regiegeneration mit Provokateuren wie Thomas Bernhard oder Werner Schwab nichts anfangen kann – oder will.
Im Berliner RambaZamba-Theater spielen seit 30 Jahren behinderte Menschen. Viele von ihnen sind kleine Stars, auch in Film und Fernsehen. Leander Haußmann oder Milan Peschel haben hier inszeniert. Doch jetzt steht das Vorbildmodell vor dem Aus.
Wenn das Gift des türkischen Nationalismus auf die Seele des gekränkten Stolzes trifft: In Bremen kommt der „Zauberer von Öz“ auf die Bühne, als Drama des gefallenen DFB-Stars Mesut Özil. Es trifft dessen Tragödie erstaunlich gut.
Im Münchner Residenztheater kommt „Lapidarium“ von Rainald Goetz zur Uraufführung. Darin schwärmt der geborene Münchner und ehemalige Popliterat von „Kir Royal“-Zeiten und bereitet sich auch auf das eigene Ableben vor.