Sogar Bayern lesen „Faust“ nicht mehr im Goethe-Original, sondern nehmen stattdessen eine vereinfachte Version. Aber Gounods Oper klingt wenigstens so schön, dass einst Pariser Gassenjungen ihre Arien pfiffen. Der Klang ist auch jetzt in München nicht das Problem.
Stardirigent Teodor Currentzis gibt endlich sein Debüt an der Griechischen Nationaloper. In Athen wird seine Rückkehr in die alte Heimat zum Ereignis. Und allein der spektakuläre Opern-Neubau von Renzo Piano wäre die Reise wert.
Er wirkt wie ein Computergeek, doch Damiano Michieletto ist Europas meistbeschäftigter Opernregisseur. Jetzt gestaltet er auch noch die Eröffnung der Olympischen Winterspiele – mit Mariah Carey, Andrea Bocelli, Cecilia Bartoli und Lang Lang. Eine Begegnung.
Eine Nobelpreisträgerin, eine hochgerühmte Komponistin, ein dirigierender Intendant, ein gigantischer Kostümaufwand – bei der Opern-Uraufführung „Monster’s Paradise“ in Hamburg wurde geklotzt. Ob es sich gelohnt hat, weiß unserer Kritiker.
Diese Oper beruht auf einer wahren Geschichte: 1794 kamen Karmeliterinnen in Paris unter die Guillotine, weil sie sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören. Wie Dresden das fast ohne Stars in Szene setzt – und punktet.
Tristan und Isolde dringend gesucht: Es ist eine schlechte Zeit für hochdramatische Soprane und echte Heldentenöre. Dafür gibt es Gründe, die im Wesen von Wagners Operngesang liegen.
Als Christof Loy in Madrid eine Oper inszenierte, war er überwältigt, wie gut spanische Sänger artikulieren, spielen und tanzen. Gelernt haben sie das in der Zarzuela. Jetzt befreit der Regisseur diese Art der Operette von ihrem regionalen Dasein.
Hamburg steht vor der Weltpremiere einer aktuellen Oper von Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek. Inszenieren wird sie der Intendant persönlich. Hier erklärt Tobias Kratzer, wie „Monster's Paradise“ ein ewiges Dilemma aller politischen Künste lösen will.
Er war der Frühreifste unter den Superspätromantikern: Mit Anfang 20 wurde Erich Wolfgang Korngold für seine „Tote Stadt“ gefeiert. Da hatte er bereits einiges erschaffen, darunter seine Oper „Violanta“. In Berlin wird sie neu entdeckt – war es wirklich das Werk eines Wunderkinds?
93 Jahre hat die Welt auf diese Uraufführung gewartet: eine nie gezeigte Oper von Julia Kerr, der Ehefrau des berühmten Kritikers Alfred Kerr. Was es zu entdecken gibt – und warum das Staatstheater Mainz einen fatalen Fehler macht.
Der große englische Komponist Benjamin Britten starb 1976. Schon jetzt feiert ihn sein Landsmann, der Tenor Ian Bostridge, mit Konzerten in einem Alpenidyll, zu dem Britten eine besondere Beziehung hatte. Aber was trieb ihn im Sommer 1945 ins KZ?
Sechs Jahre leitete Gustav Mahler das Operntheater in Hamburg. Jetzt wird der Großmeister der Überwältigungsmusik dort gebührend gefeiert. Christoph Marthaler bringt eine Persönlichkeit zum Klingen, die im Klassikbetrieb sonst keinen Platz findet.
Die Washington National Opera war eine tragende Säule der wichtigsten Kulturinstitution der Hauptstadt. Jetzt zieht das Ensemble die Konsequenzen aus der Übernahme durch den Trump-Vertrauten Richard Grenell und verlässt das Haus. Danach soll dort das Musiktheater noch größer werden.
Angeregt von Märchenkassetten und Waldspaziergängen hat sich der Komponist und Dirigent Matthias Pintscher an einem deutschen Klassiker versucht. Leidet sein „Kaltes Herz“ unter seiner Handschrift, dem Zeitgeist oder einem Syndrom der Staatsoper?
Das Akkordeon kam auf Flucht- und Schifffahrtsrouten in die letzten Winkel der Welt. Es gibt dem Menschen in der Ortlosigkeit eine Stimme, eine Heimat. Macht aus jeder Kneipe eine Kathedrale. Jetzt wurde es zum „Instrument des Jahres“ gewählt.
Albert Lortzing, Richard Wagner, Carl Maria von Weber stehen 2026 im Zeichen runder Jahrestage. Doch zwischen Traditionspflege, vernachlässigtem Repertoire und finanziellen Sorgen zeigt sich: Das deutsche Musiktheater tut sich schwer mit seinem Erbe.
Ennio Morricones Musik kennt jeder aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Zwei glorreiche Halunken“. Doch der Italiener komponierte auch E-Musik. Seine einzige Oper musste 30 Jahre auf ihre Uraufführung jetzt in Neapel warten. Doch es gibt noch viel mehr zu entdecken.
„Rienzi“ und ein neuer Ring: 2026 wird ein Wagner-Jahr und zwar nicht nur in Bayreuth. Wo große Inszenierungen zu erwarten und große Stimmen zu hören sind, verrät der Opern-Kalender von WELT.
Es ist eines der entdeckungsfreudigsten Ensembles für historische Aufführungspraxis: Das Freiburger Barockorchester spielt Kompositionen angeblicher Kleinmeister aus aller deutscher Herren Länder – die musikalische Version einer „Grand Tour“.
Ob Superstars im Rampenlicht, die Wiederkehr der Klassiker, große Sehnsuchtsstoffe oder Debattenmaterial: Das neue Jahr bietet reichlich Gründe zur Vorfreude – jedenfalls in der Kultur.
50 Millionen Zuschauer in 150 Ländern: Kein Klassik-Event ist wirkmächtiger als das Wiener Neujahrskonzert. Diesmal steht zum ersten Mal der kanadische Dirigent Yannick Nézet-Séguin am Pult. Wie kommt er dahin? Was hat er ausgesucht? Wir haben ihn vorher getroffen.
Viel länger als Versailles war das Schloss Fountainebleau die Residenz von Frankreichs Königen. Jetzt erklingt hier Musik, wie man zu Weihnachten auf Arte sehen kann. Dahinter steht ein Deutscher, der Violinist und Dirigent Thomas Hengelbrock. Ein Schloss-Besuch.
Mit Bachs Goldberg-Variationen ist er zum Weltstar geworden, jetzt hat der isländische Star-Pianist Víkingur Ólafsson Beethoven für sich entdeckt. Welche Rolle ein uraltes Klavier dabei spielte, erzählt er bei einer Begegnung in Reykjavík.
Alban Bergs „Wozzeck“ war 1925 eine der erfolgreichsten Uraufführungen in der Geschichte der Berliner Staatsoper. Nicht einmal die Nazis konnten ihren Siegeszug aufhalten. Zum Jubiläum gelingt Chefdirigent Christian Thielemann etwas sehr Besonderes.
Von verbotenen Stoffen und radikalen Kunstgriffen, von barocker Zauberkraft bis zu einem mutigen „Rheingold“. Unser Opernkritiker hat seine Eindrücke von den besten Inszenierungen des Jahres sortiert: Zwölf Erinnerungen an die Höhepunkte 2025.
Ein schwarzer Robinson und Freitag als Weiße mit Dreadlocks: Paris lernt, das Musical zu lieben, auf die unkorrekteste und unkonventionellste Weise. Man besinnt sich auf die eigenen Klassiker – und auf einen sehr deutschen.
Seit fünfzig Jahren ist sie eine Konstante in der Welt der Klassik. Jetzt kehrt sie der Bühne den Rücken. Die wahren Gründe für ihren Abschied verrät Sabine Meyer bei einem ihrer letzten Gastspiele auf Schloss Elmau.
In den Opernhäusern von Amsterdam und München ist das andere, bessere Russland zu sehen: Rimsky-Korsakows „Nacht vor Weihnachten“ und Tschaikowskys „Jungfrau von Orléans“. Aber warum entdeckt der Westen die russische Oper gerade jetzt?
Eine sentimentale Reise zu den Ursprüngen: Simon Rattle fährt mit seinem deutschen Orchester in seine britische Geburtsstadt. Und verrät dort im Interview Unbekanntes aus dem Leben eines Star-Dirigenten zwischen Liverpool, Berlin und München.
Tobias Kratzer, der neue Intendant der Hamburger Staatsoper, legt mächtig los. Auch sein zweiter Streich ist eine schwer zu inszenierende Rarität. Warum man sich „Ruslan und Ljudmila“ unbedingt ansehen sollte.
Sie war die Tochter des legendären Komponisten Imre Kálmán, eine glamouröse Gastgeberin, Charmeurin, Menschenfreundin – und die vielleicht letzte Botschafterin einer untergegangenen Welt: Yvonne Kálmán. Ein Nachruf.